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Interview über Autokrane und die Vermietbranche
Im Oktober sprachen wir mit Karl Kemper, dem geschäftsführender Gesellschafter der Firma KMS über die derzeitige Situation im Markt der deutschen Kranvermietungen.
TDKv: Herr Kemper, Sie sind geschäftsführender Gesellschafter der Firma KMS und gehören mit zu den führenden Gebrauchtkranhändlern in Europa und haben in regelmäßigen Abständen die Verkaufszahlen der Gebrauchtkrane und die Entwicklung in der Kranbranche publiziert.
Antwort Kemper: Ja, die von uns publizierten Zahlen der letzten Jahre entsprechen tatsächlich den Verkäufen, die die deutschen Kranhersteller und Kranhändler getätigt haben.
TDKv: Danach müssten laut Ihrer Information seit dem Jahre 2003 bis Ende 2005 ca. 3.000 Krane exportiert und verkauft worden sein.
Antwort Kemper: Diese Zahl wird sich Ende dieses Jahres in der Größenordnung von ca. 3.000 Stück realisieren. Man muss allerdings auch die Verkaufszahlen der Neukrane der vier deutschen Kranhersteller der letzten drei Jahre auf dem deutschen Markt hinzuzählen. Hierbei gehe ich von einer Verkaufszahl von ca. 1.500 Neukrane aus, die innerhalb der letzten 3 Jahre ab 30 t aufwärts verkauft wurden.
TDKv: Wie Sie in Ihren letzten Berichten publizierten, sind somit ca. 1.500 Kranfahrzeuge weniger auf dem deutschen Markt. Dieses verteilt sich überwiegend auf die Kranvermieter aber auch auf die Endverbraucher. Sie, Herr Kemper, der laufend mit den deutschen Kranvermietern in Kontakt steht und der den Markt genauestens beobachtet, können sicherlich eine Einschätzung vornehmen, wie es um die Zukunft der Deutschen Kranvermieter bestellt ist.
Antwort Kemper: Die Zahlen, die wir veröffentlicht haben, sprechen für sich. Die in den letzten 3 Jahren verkauften Krane haben den gesamten Markt um ca. 30 % bereinigt. Diese Reduzierung des Kranmarktes ist hauptsächlich auf den ruinösen Wettbewerb der Kranvermieter zurückzuführen. Gerade in den letzten 2 Jahren ist eine Vielzahl von Kranvermietungsgesellschaften durch den ruinösen Wettbewerb illiquide geworden und gerieten somit in die Insolvenz.
TDKv: Bedingt durch den Abverkauf der ca. 3.000 Kranfahrzeuge vom Deutschen Markt müsste es den etablierten Kranvermietern, die heute auf dem Markt aktiv sind, trotz nach wie vor nicht in Schwung kommender Konjunktur, besser gehen.
Antwort Kemper: Dieses ist auch tatsächlich der Fall. Alle über die Jahre etablierten Kranvermieter, die heute noch auf dem deutschen Markt agieren, haben sich durch die Verkäufe ihrer Überkapazitäten an Kranfahrzeuge kostenmäßig gesund reduziert.
TDKv: Herr Kemper, besteht denn nicht wieder die Gefahr, dass die deutschen Kranhersteller, wie bereits in den vergangen Jahren, Neukranlieferungen auch an Neueinsteiger mit den dazu gehörigen Finanzierungen vornehmen, so dass es eventuell in den nächsten 2 bis 3 Jahren wieder zu dem ruinösen Wettbewerb der letzten Jahre kommen kann?
Antwort Kemper: Nein, dieses wird sicherlich nicht mehr vorkommen, da sich die seit Jahren etablierten Kranvermieter darauf einigen konnten, ähnlich wie es in der Schweiz seit ca. 2 Jahrzehnten praktiziert wird, die Kranhersteller, die Neueinsteiger voll finanzieren und somit diesen ruinösen Wettbewerb schüren würden, zu boykottieren.
TDKv: Warum akzeptieren die vier deutschen Kranhersteller die von Ihnen geschilderte Situation?
Antwort Kemper: Durch die große Nachfrage nach gebrauchten Kranen, die international vorhanden sind, sind nicht nur in Deutschland sehr viele Abverkäufe getätigt worden, sondern das Gleiche - nur mit anderen Zahlen - spiegelt sich in den Beneluxländern, England, Spanien, Frankreich und Skandinavien wieder, so dass auch die Nachfrage für Neukrane in den letzten Monaten enorm gestiegen ist. Teilweise haben die vier deutschen Kranhersteller für ihre Neukrane Lieferzeiten bis zu einem Jahr. Da die Kranhersteller alle einen sehr hohen Exportanteil verzeichnen können, sehen sie den deutschen Kranvermietungsmarkt mit anderen Augen.
TDKv: Ihnen ist doch sicherlich bekannt, dass alle vier deutschen Kranhersteller, bedingt durch die Preissteigerung der Stahl-, Oel und Reifenpreise etc. der Zulieferanten auch ihre Produkte zum Teil bis zu 10 % erhöhen mussten?
Antwort Kemper: Dieses ist mir sehr wohl bekannt, denn diese Erhöhung der Neupreise schlägt sich auch auf den westeuropäischen Gebrauchtkranmarkt nieder. Der deutsche Kranvermieter konnte schon in den letzten zwei Jahren seine gebrauchten Krane teilweise um bis zu 15 % höher absetzen, als es noch vor drei Jahren möglich gewesen wäre.
TDKv: Sie sprachen anfangs von Finanzierungen, die die Kranhersteller in den vergangen Jahren auch für Neueinsteiger vorgenommen haben. Wird in Zukunft bei den Finanzierungen auch Basel II eine große Rolle spielen?
Antwort Kemper: Die Finanzierung der Krane wurde in den letzten Jahren überwiegend von den Kranherstellern durch „Buybacks“ (Rückkaufverpflichtungen) gegenüber den finanzierenden Banken unterstützt. Die Banken und die Hersteller haben bis Ende 2004 eine zusätzliche staatliche Sicherung durch den § 17.1 und 17.2 des Umsatzsteuergesetzes wahrgenommen. Die Banken haben überwiegend nur Mietkauffinanzierungen vorgenommen, diese waren so abgefasst, dass bei einer Insolvenz des Käufers zusätzlich aus der bestehenden Finanzierung 16 % an Umsatzsteuer herausgerechnet werden konnten, die dementsprechend wiederum den Banken von ihren zuständigen Finanzämtern zurückerstattet wurden, so dass sich das Risiko der Kranhersteller und der Banken jeweils von Beginn an um 16 % reduzierte und somit der Warenwert nur noch 84 % darstellte. Diese Lücke im Gesetz wurde dementsprechend von allen deutschen finanzierenden Banken voll ausgeschöpft. Im Jahre 1999 wurde ein deutscher Kranvermieter und Kranhändler zu Unrecht beschuldigt, diese Lücke im Gesetz für sich genutzt zu haben. Den Anwälten des seinerzeit Beschuldigten, sowie dem Bund der Steuerzahler Nordrhein ist es gelungen zu beweisen, dass nicht der Kranvermieter und Händler den Vorteil der Umsatzsteuer hatte, sondern ausschließlich die Banken und die Hersteller, die die Rückführung dieser 16 % aus den Finanzierungen ausschöpften. Ende 2004 wurde durch den Finanzminister und der Finanzverwaltung diese Lücke im Umsatzsteuergesetz mit sofortiger geschlossen. Die §§ 17.1 und 17.2 wurden dementsprechend abgeändert, es wurde hauptsächlich in dieser Abänderung auf das Kranfinanzierungsgeschäft hingewiesen.
TDKv: Diese Änderung im Steuergesetz und den daraus resultierenden Nachteilen von 16 % gegenüber den Banken, ist doch sicherlich auch zum Nachteil der jetzigen Kranvermieter zu sehen?
Antwort Kemper: Nein, das sehen die deutschen Kranvermieter, die sich über Jahre hinweg mit sehr vielen Krisen auseinander setzen mussten, ganz anders. Bedingt durch die Reduzierung des Risikos der Banken und der Kranhersteller um ca. 16 % wurde den Neueinsteigern die Finanzierungsmöglichkeit in der Kranvermietung sehr leicht gemacht. Somit entstand auch der ruinöse Wettbewerb. Hinzu kommt noch, dass die Kranhersteller und auch die finanzierenden Banken immer mehr bei der Überprüfung der Bonität der Kranvermietungsgesellschaften nach den Richtlinien von Basel II vorgehen.
TDKv: Verlieren durch die angesprochenen Änderungen in Deutschland die Hersteller der Krane ihre Marktanteile?
Antwort Kemper: Nein, dieses ist nicht der Fall, da die Kranhersteller, bedingt dadurch das nicht mehr so viele Kranvermieter illiquide werden, den Vorteil haben, dass diese durch die Rücknahme der gebrauchten Krane in der Vergangenheit keine Rückstellungen und somit auch keine Verluste hinnehmen müssen (buybacks). Vor allem belasten die Hersteller ihre Bilanzen durch die Rückstellung durch „buybacks“, die immer wieder vorgenommen werden mussten, nicht mehr.
TDKv: Die Kranhersteller bekommen doch sicherlich durch die reduzierten Verkäufe in Deutschland Absatzprobleme.
Antwort Kemper: Nein, das ist nicht der Fall, da durch den Abverkauf von gebrauchten Kranen aus Westeuropa nach Osteuropa, den Mittleren und Fernen Osten, das gesamte Krangeschäft sehr stark belebt wurde. Hierdurch haben die vier Deutschen Kranhersteller mittlerweile lange Lieferzeiten für ihre Produkte. Zwischenzeitlich konnten wir feststellen, dass einige deutsche Kranhersteller zwischen 70 u. 80 % ihrer in Deutschland hergestellten Produkte exportieren.
TDKv: Was bedeutet diese enorme Veränderung des Kranmarktes für den Kranvermieter?
Antwort Kemper: Der deutsche Kranvermieter hat sich der neuen Marktsituation sehr schnell angepasst. Wie bereits angesprochen, haben die deutschen Hersteller ihre Preise erhöht, diese Preiserhöhungen konnten aber über die erhöhten Verkäufe und die erhöhten Verkaufspreise für Gebrauchtkrane ausgeglichen werden. Auch die Bestellungen von Neukranen der deutschen Kranvermieter haben in den letzten zwei Monaten sehr stark zugenommen, denn so günstig wie zurzeit konnte man Neukrane noch nie finanzieren. Diese günstigen Finanzierungen, die bei Kranfahrzeugen meistens über 8 Jahre abgeschlossen werden, kompensieren die zwischenzeitlich um ca. 10 % gestiegenen Neupreise, z. B.: Im Jahre 2001 kostete ein 30 to Kran ca. 260.000 EUR. Bei 8 % Verzinsung zahlte man über die Laufzeit ca. 95.000 EUR. Heute kostet dieser Kran 285.000 € und man zahlt über die Laufzeit 56.000 € Verzinsung. Somit spart der Kranbetreiber ca. 40.000 € Zinsen, zahlt jedoch 25.000 € mehr im Einkauf. Die Nettoersparnis beträgt 15.000 € zuzügl. Dem Erlös aus dem Verkauf des Gebrauchtkrans, der heute eine Wertsteigerung von ca. 15 – 20 % hat. Hinzu kommt auch, dass sich durch den Abverkauf der gebrauchten Krane die Einsatzzeit des Fuhrparks der Kranvermieter gegenüber den letzten 3 Jahren erhöht hat. Viele renommierte Kranvermieter, die mir über Jahre gut bekannt sind, nutzen jetzt die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und bestellen für das Jahr 2006 Krane aller Größenordnungen. Bedingt durch die besseren Auslastungen der letzten Monate und die Prognosen für die nächsten Jahre, gehen die Kranvermieter von einer besseren Auftragslage und der Anpassung der Preise durch die Erhöhung der Treibstoffkosten und der Anschaffungskosten aus, so dass sich die Preise, die bereits jetzt schon angestiegen sind, auch in den nächsten Monaten der Marktsituation anpassen werden.
TDKv: Herr Kemper, sehen Sie ihre Existenz und ihre Position als einer der Marktführer in Europa nicht gefährdet?
Antwort Kemper: Ihnen ist sicherlich bekannt, dass wir ein internationales Handelsunternehmen für Kranfahrzeuge sind. Wir haben uns schon seit Beginn unserer Aktivitäten nicht nur auf den deutschen Markt konzentriert und sind durch die weltweite Globalisierung der Märkte heute weltweit tätig. Dementsprechend handeln wir heute Kranfahrzeuge aus ganz Europa, die wir weltweit exportieren.
TDKv: Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Kranhersteller?
Antwort Kemper: Wir gehen davon aus, dass nicht nur die vier deutschen Kranhersteller, sondern auch die international tätigen Kranhersteller in den nächsten fünf Jahren zweistellige Zuwachsraten auf dem Weltmarkt erzielen werden und somit ihre gesamte Produktion erhöhen müssen. Bedingt dadurch, dass die Kranhersteller höhere Verkaufszahlen haben werden, sehen wir für uns als international etabliertes Kranhandelsunternehmen eine sichere Zukunft.
TDKv: Herr Kemper, wir danken Ihnen für das Gespräch
Dieses Thema im Forum diskutieren
Im Oktober sprachen wir mit Karl Kemper, dem geschäftsführender Gesellschafter der Firma KMS über die derzeitige Situation im Markter der deutschen Kranvermietungen.
TDKv: Herr Kemper, Sie sind geschäftsführender Gesellschafter der Firma KMS und gehören mit zu den führenden Gebrauchtkranhändlern in Europa und haben in regelmäßigen Abständen die Verkaufszahlen der Gebrauchtkrane und die Entwicklung in der Kranbranche publiziert.
Antwort Kemper: Ja, die von uns publizierten Zahlen der letzten Jahre entsprechen tatsächlich den Verkäufen, die die deutschen Kranhersteller und Kranhändler getätigt haben.
TDKv: Danach müssten laut Ihrer Information seit dem Jahre 2003 bis Ende 2005 ca. 3.000 Krane exportiert und verkauft worden sein.
Antwort Kemper: Diese Zahl wird sich Ende dieses Jahres in der Größenordnung von ca. 3.000 Stück realisieren. Man muss allerdings auch die Verkaufszahlen der Neukrane der vier deutschen Kranhersteller der letzten drei Jahre auf dem deutschen Markt hinzuzählen. Hierbei gehe ich von einer Verkaufszahl von ca. 1.500 Neukrane aus, die innerhalb der letzten 3 Jahre ab 30 t aufwärts verkauft wurden.
TDKv: Wie Sie in Ihren letzten Berichten publizierten, sind somit ca. 1.500 Kranfahrzeuge weniger auf dem deutschen Markt. Dieses verteilt sich überwiegend auf die Kranvermieter aber auch auf die Endverbraucher. Sie, Herr Kemper, der laufend mit den deutschen Kranvermietern in Kontakt steht und der den Markt genauestens beobachtet, können sicherlich eine Einschätzung vornehmen, wie es um die Zukunft der Deutschen Kranvermieter bestellt ist.
Antwort Kemper: Die Zahlen, die wir veröffentlicht haben, sprechen für sich. Die in den letzten 3 Jahren verkauften Krane haben den gesamten Markt um ca. 30 % bereinigt. Diese Reduzierung des Kranmarktes ist hauptsächlich auf den ruinösen Wettbewerb der Kranvermieter zurückzuführen. Gerade in den letzten 2 Jahren ist eine Vielzahl von Kranvermietungsgesellschaften durch den ruinösen Wettbewerb illiquide geworden und gerieten somit in die Insolvenz.
TDKv: Bedingt durch den Abverkauf der ca. 3.000 Kranfahrzeuge vom Deutschen Markt müsste es den etablierten Kranvermietern, die heute auf dem Markt aktiv sind, trotz nach wie vor nicht in Schwung kommender Konjunktur, besser gehen.
Antwort Kemper: Dieses ist auch tatsächlich der Fall. Alle über die Jahre etablierten Kranvermieter, die heute noch auf dem deutschen Markt agieren, haben sich durch die Verkäufe ihrer Überkapazitäten an Kranfahrzeuge kostenmäßig gesund reduziert.
TDKv: Herr Kemper, besteht denn nicht wieder die Gefahr, dass die deutschen Kranhersteller, wie bereits in den vergangen Jahren, Neukranlieferungen auch an Neueinsteiger mit den dazu gehörigen Finanzierungen vornehmen, so dass es eventuell in den nächsten 2 bis 3 Jahren wieder zu dem ruinösen Wettbewerb der letzten Jahre kommen kann?
Antwort Kemper: Nein, dieses wird sicherlich nicht mehr vorkommen, da sich die seit Jahren etablierten Kranvermieter darauf einigen konnten, ähnlich wie es in der Schweiz seit ca. 2 Jahrzehnten praktiziert wird, die Kranhersteller, die Neueinsteiger voll finanzieren und somit diesen ruinösen Wettbewerb schüren würden, zu boykottieren.
TDKv: Warum akzeptieren die vier deutschen Kranhersteller die von Ihnen geschilderte Situation?
Antwort Kemper: Durch die große Nachfrage nach gebrauchten Kranen, die international vorhanden sind, sind nicht nur in Deutschland sehr viele Abverkäufe getätigt worden, sondern das Gleiche - nur mit anderen Zahlen - spiegelt sich in den Beneluxländern, England, Spanien, Frankreich und Skandinavien wieder, so dass auch die Nachfrage für Neukrane in den letzten Monaten enorm gestiegen ist. Teilweise haben die vier deutschen Kranhersteller für ihre Neukrane Lieferzeiten bis zu einem Jahr. Da die Kranhersteller alle einen sehr hohen Exportanteil verzeichnen können, sehen sie den deutschen Kranvermietungsmarkt mit anderen Augen.
TDKv: Ihnen ist doch sicherlich bekannt, dass alle vier deutschen Kranhersteller, bedingt durch die Preissteigerung der Stahl-, Oel und Reifenpreise etc. der Zulieferanten auch ihre Produkte zum Teil bis zu 10 % erhöhen mussten?
Antwort Kemper: Dieses ist mir sehr wohl bekannt, denn diese Erhöhung der Neupreise schlägt sich auch auf den westeuropäischen Gebrauchtkranmarkt nieder. Der deutsche Kranvermieter konnte schon in den letzten zwei Jahren seine gebrauchten Krane teilweise um bis zu 15 % höher absetzen, als es noch vor drei Jahren möglich gewesen wäre.
TDKv: Sie sprachen anfangs von Finanzierungen, die die Kranhersteller in den vergangen Jahren auch für Neueinsteiger vorgenommen haben. Wird in Zukunft bei den Finanzierungen auch Basel II eine große Rolle spielen?
Antwort Kemper: Die Finanzierung der Krane wurde in den letzten Jahren überwiegend von den Kranherstellern durch „Buybacks“ (Rückkaufverpflichtungen) gegenüber den finanzierenden Banken unterstützt. Die Banken und die Hersteller haben bis Ende 2004 eine zusätzliche staatliche Sicherung durch den § 17.1 und 17.2 des Umsatzsteuergesetzes wahrgenommen. Die Banken haben überwiegend nur Mietkauffinanzierungen vorgenommen, diese waren so abgefasst, dass bei einer Insolvenz des Käufers zusätzlich aus der bestehenden Finanzierung 16 % an Umsatzsteuer herausgerechnet werden konnten, die dementsprechend wiederum den Banken von ihren zuständigen Finanzämtern zurückerstattet wurden, so dass sich das Risiko der Kranhersteller und der Banken jeweils von Beginn an um 16 % reduzierte und somit der Warenwert nur noch 84 % darstellte. Diese Lücke im Gesetz wurde dementsprechend von allen deutschen finanzierenden Banken voll ausgeschöpft. Im Jahre 1999 wurde ein deutscher Kranvermieter und Kranhändler zu Unrecht beschuldigt, diese Lücke im Gesetz für sich genutzt zu haben. Den Anwälten des seinerzeit Beschuldigten, sowie dem Bund der Steuerzahler Nordrhein ist es gelungen zu beweisen, dass nicht der Kranvermieter und Händler den Vorteil der Umsatzsteuer hatte, sondern ausschließlich die Banken und die Hersteller, die die Rückführung dieser 16 % aus den Finanzierungen ausschöpften. Ende 2004 wurde durch den Finanzminister und der Finanzverwaltung diese Lücke im Umsatzsteuergesetz mit sofortiger geschlossen. Die §§ 17.1 und 17.2 wurden dementsprechend abgeändert, es wurde hauptsächlich in dieser Abänderung auf das Kranfinanzierungsgeschäft hingewiesen.
TDKv: Diese Änderung im Steuergesetz und den daraus resultierenden Nachteilen von 16 % gegenüber den Banken, ist doch sicherlich auch zum Nachteil der jetzigen Kranvermieter zu sehen?
Antwort Kemper: Nein, das sehen die deutschen Kranvermieter, die sich über Jahre hinweg mit sehr vielen Krisen auseinander setzen mussten, ganz anders. Bedingt durch die Reduzierung des Risikos der Banken und der Kranhersteller um ca. 16 % wurde den Neueinsteigern die Finanzierungsmöglichkeit in der Kranvermietung sehr leicht gemacht. Somit entstand auch der ruinöse Wettbewerb. Hinzu kommt noch, dass die Kranhersteller und auch die finanzierenden Banken immer mehr bei der Überprüfung der Bonität der Kranvermietungsgesellschaften nach den Richtlinien von Basel II vorgehen.
TDKv: Verlieren durch die angesprochenen Änderungen in Deutschland die Hersteller der Krane ihre Marktanteile?
Antwort Kemper: Nein, dieses ist nicht der Fall, da die Kranhersteller, bedingt dadurch das nicht mehr so viele Kranvermieter illiquide werden, den Vorteil haben, dass diese durch die Rücknahme der gebrauchten Krane in der Vergangenheit keine Rückstellungen und somit auch keine Verluste hinnehmen müssen (buybacks). Vor allem belasten die Hersteller ihre Bilanzen durch die Rückstellung durch „buybacks“, die immer wieder vorgenommen werden mussten, nicht mehr.
TDKv: Die Kranhersteller bekommen doch sicherlich durch die reduzierten Verkäufe in Deutschland Absatzprobleme.
Antwort Kemper: Nein, das ist nicht der Fall, da durch den Abverkauf von gebrauchten Kranen aus Westeuropa nach Osteuropa, den Mittleren und Fernen Osten, das gesamte Krangeschäft sehr stark belebt wurde. Hierdurch haben die vier Deutschen Kranhersteller mittlerweile lange Lieferzeiten für ihre Produkte. Zwischenzeitlich konnten wir feststellen, dass einige deutsche Kranhersteller zwischen 70 u. 80 % ihrer in Deutschland hergestellten Produkte exportieren.
TDKv: Was bedeutet diese enorme Veränderung des Kranmarktes für den Kranvermieter?
Antwort Kemper: Der deutsche Kranvermieter hat sich der neuen Marktsituation sehr schnell angepasst. Wie bereits angesprochen, haben die deutschen Hersteller ihre Preise erhöht, diese Preiserhöhungen konnten aber über die erhöhten Verkäufe und die erhöhten Verkaufspreise für Gebrauchtkrane ausgeglichen werden. Auch die Bestellungen von Neukranen der deutschen Kranvermieter haben in den letzten zwei Monaten sehr stark zugenommen, denn so günstig wie zurzeit konnte man Neukrane noch nie finanzieren. Diese günstigen Finanzierungen, die bei Kranfahrzeugen meistens über 8 Jahre abgeschlossen werden, kompensieren die zwischenzeitlich um ca. 10 % gestiegenen Neupreise, z. B.: Im Jahre 2001 kostete ein 30 to Kran ca. 260.000 EUR. Bei 8 % Verzinsung zahlte man über die Laufzeit ca. 95.000 EUR. Heute kostet dieser Kran 285.000 € und man zahlt über die Laufzeit 56.000 € Verzinsung. Somit spart der Kranbetreiber ca. 40.000 € Zinsen, zahlt jedoch 25.000 € mehr im Einkauf. Die Nettoersparnis beträgt 15.000 € zuzügl. Dem Erlös aus dem Verkauf des Gebrauchtkrans, der heute eine Wertsteigerung von ca. 15 – 20 % hat. Hinzu kommt auch, dass sich durch den Abverkauf der gebrauchten Krane die Einsatzzeit des Fuhrparks der Kranvermieter gegenüber den letzten 3 Jahren erhöht hat. Viele renommierte Kranvermieter, die mir über Jahre gut bekannt sind, nutzen jetzt die günstigen Finanzierungsmöglichkeiten und bestellen für das Jahr 2006 Krane aller Größenordnungen. Bedingt durch die besseren Auslastungen der letzten Monate und die Prognosen für die nächsten Jahre, gehen die Kranvermieter von einer besseren Auftragslage und der Anpassung der Preise durch die Erhöhung der Treibstoffkosten und der Anschaffungskosten aus, so dass sich die Preise, die bereits jetzt schon angestiegen sind, auch in den nächsten Monaten der Marktsituation anpassen werden.
TDKv: Herr Kemper, sehen Sie ihre Existenz und ihre Position als einer der Marktführer in Europa nicht gefährdet?
Antwort Kemper: Ihnen ist sicherlich bekannt, dass wir ein internationales Handelsunternehmen für Kranfahrzeuge sind. Wir haben uns schon seit Beginn unserer Aktivitäten nicht nur auf den deutschen Markt konzentriert und sind durch die weltweite Globalisierung der Märkte heute weltweit tätig. Dementsprechend handeln wir heute Kranfahrzeuge aus ganz Europa, die wir weltweit exportieren.
TDKv: Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten der Kranhersteller?
Antwort Kemper: Wir gehen davon aus, dass nicht nur die vier deutschen Kranhersteller, sondern auch die international tätigen Kranhersteller in den nächsten fünf Jahren zweistellige Zuwachsraten auf dem Weltmarkt erzielen werden und somit ihre gesamte Produktion erhöhen müssen. Bedingt dadurch, dass die Kranhersteller höhere Verkaufszahlen haben werden, sehen wir für uns als international etabliertes Kranhandelsunternehmen eine sichere Zukunft.
TDKv: Herr Kemper, wir danken Ihnen für das Gespräch

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